Mehr Übernahmen von Ausgelernten in Beschäftigung

Die aktuelle Finanz- und Wirtschaftskrise hat Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt. Junge Menschen sind besonders an den „Übergängen“ von Erwerbslosigkeit bedroht: zwischen Schule und Ausbildung, zwischen Ausbildung und Arbeit oder bei Arbeitsplatzwechseln:

  • Es befinden sich fast eine halbe Million Jugendliche im Übergangssystem auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz.
  • Rund 50 Prozent der Auszubildenden werden nicht übernommen.
  • Und nicht einmal ein Drittel derjenigen jungen Menschen, die eine Ausbildung oder ein Studium abgeschlossen haben, finden direkt im Anschluss eine unbefristete Vollzeitstelle.

Gleichzeitig klagen viele Unternehmen über Fachkräftemangel. Aber die Unternehmen tragen die Verantwortung für diese Entwicklung. Die Gewerkschaftsjugend fordert die unbefristete Übernahme in ein – sofern gewünscht – Vollzeitbeschäftigungsverhältnis unter Berücksichtigung der absolvierten Ausbildung sowie des Wohnorts. Hier sind alle Mitgliedsgewerkschaften aufgefordert, entsprechende tarifvertragliche Regelungen abzuschließen. Der Gesetzgeber muss da, wo möglich, in die Pflicht genommen werden, Versäumnisse zu beheben.

Da junge Menschen häufig noch keinen Anspruch auf ALG I haben, droht im Fall von Erwerbslosigkeit direkt ALG II. Das beinhaltet ein enormes Erpressungspotential. Junge Menschen, die ALG II empfangen, werden in prekäre Jobs gedrängt. Und wenn sie diese Jobs nicht annehmen, werden ihnen schwere Sanktionen auferlegt. Damit wird Angst bei den Betroffenen geschürt und der Dumpingwettbewerb um Entlohnung und Arbeitsbedingungen auf dem Arbeitsmarkt wird immer weiter verschärft.

Die Entwicklung in den letzten Jahren hat gezeigt, dass die Anforderungen an die Arbeitnehmer/- innen in Bezug auf ihr Können und ihr Fachwissen immer höher werden. Auch darum wird Qualifizierung immer wichtiger. Die Individualisierung von Problemen wird dieser Situation allerdings nicht gerecht und auch nicht das von der EU propagierte Konzept der „Beschäftigungsfähigkeit“, nach dem jede/r Arbeitnehmer/-in für die eigene Qualifizierung persönlich Sorge zu tragen habe.

Alle jungen Menschen brauchen die Garantie auf gute Bildung, Ausbildung und Weiterbildung und die Möglichkeit auf ein selbstbestimmtes Leben.

Der Berufseinstieg wird immer schwieriger. Die erste Phase der Erwerbstätigkeit ist mittlerweile bei der Mehrheit der jungen Menschen durch verschiedene Brüche und Wechsel geprägt. Nach dem DGB Index Gute Arbeit für junge Beschäftigte unter 30 Jahren arbeiten über 60 Prozent der jungen Menschen unter prekären Bedingungen: entweder zu Niedriglöhnen von unter 1.500 Euro brutto (20%) und/oder in atypischen Beschäftigungsverhältnissen (befristete Beschäftigung: 26%; Zeitarbeit: 5%; Minijobs: 10%). Bestimmte Gruppen, insbesondere Migranten/-innen und Hauptschulabsolventen/- innen haben auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt kaum eine Chance.

Die Zunahme von prekärer Beschäftigung ist kein Zufall, sondern folgt aus der Politik der letzten Jahre, die sich die Flexibilisierung des Arbeitsmarktes, den Abbau von Arbeitnehmerrechten und damit einer weiteren Flexibilisierung der Beschäftigungsverhältnisse als ein wichtiges Ziel gesetzt hat. Die Flexibilisierung führt dazu, dass es schwieriger bis unmöglich wird, das weitere Leben zu planen und ruft Ängste in Bezug auf das Alter und das gesamte Lebensgefühl der jungen Generation hervor.

Die Gewerkschaftsjugend fordert gute Arbeit nicht nur in Deutschland, sondern weltweit. „Gute Arbeit“ meint einen konkreten Gestaltungsauftrag, nämlich, sich dafür einzusetzen, dass sich die Arbeitsbedingungen weltweit am Individuum mit seinen Bedürfnissen und Fähigkeiten orientieren.

(Beschlusslage DGB Bundesjugendkonferenz 19.-21.11.2009 in Göttingen)