Schulzeitverkürzung zurücknehmen

Die LandesschülerInnenvertretung Nordrhein-Westfalen (LSV NRW) setzt sich dafür ein, die Schulzeitverkürzung zurück zu nehmen. Mit der Verkürzung des Gymnasiums von neun auf acht Jahren wurde der Schulalltag für Schülerinnen und Schüler teilweise unerträglich, da sie in kürzerer Zeit immer mehr lernen und gleichzeitig täglich immer länger in der Schule bleiben müssen. Dabei haben die meisten Gymnasien nicht die richtige Infrastruktur, um nach einem Mittagessen Unterricht auch am Nachmittag durchführen zu können. So ist zwar eine Mittagspause von 60 Minuten vorgesehen, aber es gibt selten Räume, in denen die SchülerInnen sich aufhalten können, und kaum bezahlbare Essensangebote mit genügend gesundem Essen. Zu einem guten Ganztagsprogramm in den Schulen gehört mehr als einfach nur Unterricht bis um vier Uhr.

Mit der Schulzeitverkürzung wurde der Unterrichtsstoff nur geringfügig an die geringere Unterrichtszeit angepasst. Anstatt die seitens der Landesregierung so groß geschriebene individuelle Förderung gibt es am Gymnasium nun nur eine Elitenbildung nach dem Motto „Wer gut genug ist, gehört dazu, der Rest kann gehen“. Dies erzeugt unnötigen Druck und sorgt für eine Wahrnehmung von Schule als einen Ort des Stresses. Um das Lernen zu fördern, ist jedoch eine angenehme Atmosphäre besonders wichtig.

Darüber hinaus wird mit dem früherem Einsetzen der zweiten Fremdsprache die Durchlässigkeit in unserem Schulsystem drastisch verschlechtert. Der Wechsel von der Realschule auf das Gymnasium wird so nahezu unmöglich gemacht. Dies sorgt für eine (weitere) Elitenbildung in unserem Schulsystem. Dabei sind alle Schülerinnen und Schüler eigentlich gleichberechtigt und verdienen die gleichen Chancen.

Die Schülerinnen und Schüler im ersten Jahrgang mit dem achtjährigem Abitur sind dabei leider nicht nur die Versuchskaninchen der Landesregierung. Sie haben das Los gezogen, zusammen mit dem letztem Jahrgang mit insgesamt 13 Jahren Schulzeit das Abitur zu machen. So entsteht ein doppelt so großer Abschlussjahrgang, für den leider jegliche Konzepte fehlen. Es gibt keine weiteren Ausbildungsplätze, die ohnehin schon nicht reichen. Und es sollen zwar doppelt so viele Studienplätze angeboten werden, aber wie das erreicht werden soll, steht in den Sternen. Generell muss es für jede Schülerin und für jeden Schüler einen Ausbildungsplatz oder einen Studienplatz geben – auch bei dem Doppeljahrgang.